Familienchronik

Die Erforschung der eigenen Vergangenheit ist ein interessantes und spannendes Thema. Alte Unterlagen, Urkunden oder Fotos bieten die Möglichkeit, das Leben der Ahnen nachzuzeichnen. Am Anfang steht die Ermittlung der Lebensdaten, Berufe und Orte, wo die Vorfahren ansässig waren.
Johann Trammer
Johann Trammer
kgl. Spitalstiftungs­administrator in Freystadt (1831-1886)
Barbara Trammer
Barbara Trammer
geb. Mattheis (1840-1916)
Familienbild der Familie Bems aus dem Jahr 1914 anläßlich der goldenen Hochzeit von Georg Andreas Bems und seiner Frau Barbara, geb. Wagner
hinten von links: Hollreiser, Hans Gerber (1897-1967), Anna Gerber, geb. Bems (1865-1946), Josef Gerber (1849-1933), Franziska Gerber (1892-1955), Johann Bems (1873-1953), Oskar Bems (1902-1924) vorne von links: Hollreiser, Maria Hollreiser, geb. Gerber (1887-1970), Hollreiser, Barbara Bems, geb. Wagner (1840-1915), August Gerber (1904-1987), Georg Andreas Bems (1835-1921), Mathilde Bems (1882-1964) mit Erich (1911-1982), Johann Bems (*1904)

Die Erstellung von Familienchroniken und Hofchroniken erweitert und ergänzt die Familienforschung. Hier wird die geschichtliche Zeit, in der die Menschen gelebt haben, mit eingearbeitet. Größe des Anwesens, Besitzverhältnisse und Regelungen zum Austrag veranschaulichen das Leben der Menschen früher.

Neben standesamtlichen und Kirchenbucheintragungen werden weitere historische Quellen verwendet, dazu zählen Regelungen bei Übergaben oder Heiraten, bei Erb- und Testamentssachen in früheren Jahrhunderten aber auch Hinweise auf steuerliche Verpflichtungen, Besitzgröße des Anwesens oder Tierhaltung auf dem Hof in früher Zeit. Dies kann aus alten Steuerbüchern und Katastern ermittelt werden.

Je nach Quellenlage kann man die Ahnen 300 Jahre, oft auch noch weiter zurückverfolgen und auf interessante Entwicklungen stoßen.

Leistungen

  • Forschung
  • Zusammenstellung der Befunde
  • Stammbaum

Beispiel

Das Leben des kgl. Spitalstiftungs­administrators Johann Trammer (1831-1886)

Leben und beruflicher Werdegang

Johann Baptist (Johannes) Trammer wurde am 3. Mai 1831 in Pottenstein in der Fränkischen Schweiz geboren. Sein Vater Johann Trammer war seit 1. Oktober 1829 Sportelrendant am dortigen Landgericht und fungierte als Kassenverwalter und Gebühreneinnehmer.

Die Kinder- und Jugendjahre verbrachte Johann Trammer in Ansbach, wohin sein Vater im Jahr 1834 als Rechnungsrevisor versetzt wurde. Von 1836 bis 1844 ging er dort auf die Schule, ehe sein beruflicher Werdegang begann.

Vom 12. September 1844 bis zum 31. Mai 1847 war Johann Trammer als Diurnist (Schreiber, der gegen Taglohn bezahlt wurde) und Protokollführer am kgl. Kreis- und Stadtgericht Ansbach tätig. Durch sein fleißiges und gutes Verhalten sowie sein Bemühen, „immer sehr schön und deutlich zu schreiben“, erhielt er die Möglichkeit zu einer Tätigkeit beim Ansbacher Stadtkämmerer Werthhammer. Dort hat er, wie es in seinem Zeugnis heißt, „ersprießliche Hilfe“ geleistet und war „eifrigst bemüht, die zu einem solchen Berufsfache erforderlichen theoretischen Kenntnisse sich zu verschaffen.“ Daneben eignete er sich weitere Kenntnisse in der Mathematik und der lateinischen Sprache an. Bescheinigt wurden ihm Fleiß, Treue und der Nachweis „untadelhaften Betragens überhaupt“.1

Nach seiner Ansbacher Zeit mit den ersten Erfahrungen im Kanzleidienst war Johann Trammer vom 1. November 1848 bis 1. August 1850 Kanzelist in Greding am dortigen Landgericht. Seine dortigen Tätigkeiten im Bereich des staatlichen Abrechnungswesens erforderten größte Genauigkeit und Ausdauer. Gelobt wurden in diesen beiden Jahren seine große Begabung für das von ihm eingeschlagene Fach sowie sein sittliches Betragen und sein bescheidenes, höfliches Benehmen.

Zum 1. August 1850 wurde er zum Rechnungsrevisor im Rechnungskommissariat der Kammer des Innern bei der kgl. Regierung der Oberpfalz und Regensburg befördert als einer der jüngsten, die in der damaligen Zeit eine solche Position innehatten.

Nach vielen vergeblichen Bewerbungen und Eingaben an staatlichen Einrichtungen für besser dotierte Stellen wurde Johann Trammer im Jahr 1856 von Regensburg schließlich auf die Stelle versetzt, die er für die restlichen 30 Jahre seines Lebens innehatte: die des kgl. Spitalstiftungsadministrators in Freystadt/Oberpfalz.

Das Spital hatte die Aufnahme von Armen und deren Versorgung zu sichern, die aus einem Stiftungshaushalt gewährleistet wurde. Das Spital war mit viel Grundbesitz begütert, aus dessen Erträgen der Haushalt mit getragen wurde.

Die Tätigkeit von Johann Trammer umfaßte die genaue Rechnungsführung von Einnahmen und Ausgaben der Stiftung sowie die Abrechnungen der jeweiligen Jahreshaushalte. Trammer erließ am 20. November 1858 auch eine „Hausordnung für die Pfründner und Pfründnerinnen im Königlichen Spitale zu Freystadt“.2

Zum 16. November 1865 wurde Trammer neben seiner Tätigkeit als Spitalstiftungsadministrator in Freystadt auch die Verwaltung der geistlichen Gefällstiftung in Neumarkt übertragen, zugebilligt wurde ihm der unentgeldliche Genuß der Spitalwohnung in Freystadt.3


1 BayHStA, MInn 53396: Personalakt Johann Trammer, Stiftungs-Administrator in Freistadt.
2 Stadtarchiv Freystadt, Unterlagen zum Spital der Stadt Freystadt.
3 BayHStA, MInn 53396.

Die Familie von Johann Trammer

Am 4. Dezember 1860 heiratete Johann Trammer in der Dompfarrei zu Regensburg Barbara Matheis aus Amberg. Ihr Vater war ein aus der Rheinpfalz stammender Regimentsschneider, der zunächst in Landau i.d. Pfalz stationiert war, ehe er nach Amberg und später nach Ingolstadt versetzt wurde. Pfarrer Joseph Matheis, ein Stiefbruder von Barbara, damals Stiftsvikar bei St. Johann in Regensburg, vollzog die Trauung, als Trauzeugen fungierten der Vater des Bräutigams und einer seiner Brüder, Otto.

Mit ein Grund für den knappen finanziellen Spielraum der Familie Trammer war auch das erwähnte Bestreben der Eltern, den sieben Kindern eine gute Schul- und Berufsausbildung zukommen zu lassen. Ungewöhnlich ist dabei der Werdegang der Kinder, der bei einigen einen besonderen Verlauf nahm.4

Ludwig, der älteste Sohn (*15. September 1861) erhielt nach der Schulzeit eine Ausbildung als Maler und Bildhauer in Regensburg. Er wanderte nach dem Tod des Vaters (11. April 1886) am 1. September 1886 nach Milwaukee in die Vereinigten Staaten von Amerika aus und arbeitete dort als Bildhauer.

Hans (*14. Februar 1863) war auf der Kreislandwirtschaftsschule in Lichtenhof, die er 1880 absolvierte, nachdem er ein Jahr wegen einer Erkrankung an Wechselfieber verloren hatte. Danach arbeitete er als Praktikant auf einem Ökonomiegut, wofür er jedoch kein Gehalt erhielt. Wie sein älterer Bruder wanderte er am 5. April 1887 nach Amerika aus und wurde Bierbrauer in Krafton.

Max (*2. Mai 1865 †24. März 1939 in München), der nächstgeborene Sohn, erreichte einen hervorragenden höheren Schulabschluß, hatte jedoch wiederholt mit einem hartnäckigen Augenleiden zu tun, das mehrere Aufenthalte bei Spezialisten in Nürnberg und Erlangen notwendig machte. Er schlug eine ähnliche Laufbahn ein wie sein Vater, Großvater und einige seiner Onkel und wurde Rechnungsrevisor und Rechnungskommissäir in Regensburg. Zuletzt lebte er in München und in Herrsching.
Karl (*4. November 1867 †17. November 1919 in Mantel) arbeitete als Bahnschlosser in Regensburg und Oberlokführer in Aschaffenburg und in Bamberg.

Die einzige Tochter Franziska (*4. April 1869) kam 1880 an das Erziehungsinstitut der Salesianerinnen in Beuerberg, wo sie eine höhere Schulausbildung und auch Klavierunterricht erhielt. Sie starb im Alter von nur 18 Jahren am 15. April 1887, näheres über ihr frühes Ableben ist jedoch nicht bekannt.

Sohn Otto (*22. Mai 1871 †20. März 1927 in Mantel) besuchte in Regensburg das Gymnasium und studierte in München und Berlin Medizin, wobei er sogar ein Stipendium erhielt. Ab 1898 fungierte er als prakt. Arzt und Leiter des Distriktskrankenhauses in Mantel/Oberpfalz.

Der jüngste Sohn Joseph (*28. Februar 1873) tat es seinen beiden ältesten Brüdern nach und wanderte am 25. August 1889 nach Amerika aus. Er hatte den Beruf des Küfners erlernt, starb jedoch im Alter von 20 Jahren am 21. Mai 1893 in Amerika.
Nach dem Tod des Mannes war die Witwe Barbara Trammer zunächst in Freystadt geblieben, sie erhielt zur Überwindung der dringendsten finanziellen Angelegenheiten eine Pension vom Staatsdienerunterstützungsverein, dem ihr Mann angehört hatte.
Sie mußte in den folgenden Jahren einige schwere Schicksalsschläge hinnehmen. Der Tod zweier Kinder im jungen Alter und die Auswanderung dreier Söhne nach Übersee waren für die Mutter nicht leicht zu verkraften.

Sie siedelte noch im Jahr 1886 nach Regensburg über und begleitete ihren Sohn Otto bei dessen Ausbildung nach München, wo sie von 1891 bis 1897 während dessen Studienzeit lebte. Am 1. Oktober 1897 kehrte sie nach Regensburg zurück, dort blieb sie bis zu ihrem Tod im Jahr 1916 wohnen.5


4 BayHStA, MInn 53396, Stadtarchiv Regensburg, Personalakt zu Johann Trammer, und private Unterlagen.
5 Stadtarchiv Amberg, Regierung, Kammer der Finanzen 12010.